Kurzfassung
Black Friday und Cyber Monday (BFCM) sind für Käufer ein Vorteil. Für viele D2C-Shops, also Online-Shops, die direkt an Endkunden verkaufen, rechnet sich die Teilnahme dagegen oft nicht. Dieser Beitrag wertet veröffentlichte Studien, Branchendaten und Rechtsprechung aus Deutschland und Großbritannien aus. Er zeigt vier Befunde: Der Markt wächst kaum noch (der Handelsverband HDE erwartete für 2025 erstmals sinkende Umsätze [1]). Die Werbepreise steigen in der Aktionswoche (laut Lebesgue zahlte die mittlere Marke 59 Prozent mehr pro 1.000 Einblendungen [8]). Käufer verschieben Anschaffungen auf Sales-Events (87 Prozent in einer deutschen Befragung [3]). Und BFCM-Neukunden kommen laut mehreren Datensätzen selten wieder (4 Prozent binnen zwölf Monaten bei den Kunden von Ometria [13]). Der Beitrag nennt auch Gegenargumente und ordnet sie ein. Am Ende steht ein Weg, BFCM trotzdem zu nutzen: nicht für den Umsatz des Tages, sondern um über Affiliate Marketing neue Publisher zu gewinnen, die das ganze Jahr Verkäufe bringen.
1. Einleitung: Ausgangslage, Fragestellung, Vorgehen
Jedes Jahr im November wirkt der Druck gleich: Alle Wettbewerber senken die Preise, also müsse man selbst mitmachen. Dahinter steht eine Frage, die wir im Zahlenmaterial prüfen: Verdient ein typischer D2C-Shop an BFCM wirklich Geld, oder kauft er sich Umsatz, der ihm am Ende wenig bringt?
Vorgehen. Wir haben veröffentlichte Studien, Branchenberichte, Pressemitteilungen von Verbänden und Unternehmen sowie Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen ausgewertet. Alle Quellen sind am Ende mit Link aufgeführt und im Text mit [1], [2] … gekennzeichnet. Die Quellen sind unterschiedlich belastbar: Manche stammen von Verbänden oder Forschungsinstituten, andere von Softwareanbietern mit eigenem Interesse. Wir nennen deshalb bei jeder Zahl, aus welcher Stichprobe sie stammt. Wo wir keine geprüfte Quelle haben, sagen wir es und kennzeichnen die Aussage als Einschätzung oder Erfahrungswert. Zahlen aus einem Datensatz gelten nur für diesen Datensatz und nicht für alle Shops.
Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Das Kapitel zu Preisen beschreibt den Stand unserer Recherche. Preisstrategien solltest du vor der Umsetzung von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen lassen.
Begriffe, die im Text vorkommen: CPM ist der Preis für 1.000 Einblendungen einer Anzeige. CPC ist der Preis pro Klick. CAC sind die Kosten, um einen neuen Kunden zu gewinnen. ROAS ist der Umsatz, den ein Euro Werbung bringt. Customer Lifetime Value ist der Gesamtwert, den ein Kunde über die Zeit bringt. Der Referenzpreis ist der Preis, mit dem ein Rabatt verglichen wird.
2. Marktlage: BFCM verliert an Kraft
2.1 Deutschland
Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnete für Black Friday und Cyber Monday 2025 mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz, knapp 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Es wäre der erste Rückgang seit Beginn der Erfassung 2016. Grundlage war eine Umfrage des IFH Köln unter mehr als 1.000 Online-Shoppern im Oktober 2025 [1]. Das ist eine Prognose. Einen Ist-Wert für 2025 haben wir nicht gefunden. Eine Prognose des HDE für 2026 lag uns bei Redaktionsschluss ebenfalls nicht vor.
Die Idealo-Umfrage (durchgeführt von Kantar unter 2.010 Verbrauchern von 18 bis 64 Jahren, August und September 2025) zeigt dieselbe Richtung: Das durchschnittliche Budget sank um 7 Prozent auf 298 Euro (2024: 317 Euro). 45 Prozent hielten Black Friday in Krisenzeiten für nicht mehr zeitgemäß (Vorjahr 38 Prozent). 65 Prozent wollten dennoch einkaufen [2].
2.2 Großbritannien
Für Großbritannien berichten Auswertungen von Adobe Digital Insights rund 3,8 Milliarden Pfund Online-Umsatz in den vier Tagen von Black Friday bis Cyber Monday 2025 (genauer: 3,79 Milliarden Pfund, zitiert über eine Zweitquelle) [6]. Für 2026 meldet der Softwareanbieter Omnisend in einer Umfrage einen erwarteten Rückgang der Gesamtausgaben um 32 Prozent auf 9,9 Milliarden Pfund, im Schnitt 267 Pfund je Käufer nach 390 Pfund. Das sind angegebene Absichten aus einer Herstellerumfrage ohne genannte Stichprobe [7]. Wir halten diese Zahl für ein Signal, nicht für eine Prognose, auf die man ein Budget bauen sollte.
Unsere Einordnung: Der Markt wächst kaum noch, und die Käufer werden vorsichtiger. Das gilt nicht überall gleich, aber die Richtung ist in mehreren Quellen dieselbe.
3. Steigende Werbekosten
Zum Black Friday drehen viele Shops gleichzeitig die Werbung auf. In einer Auktion wie bei Meta treibt das die Preise.
| Quelle | Datensatz | Befund |
|---|---|---|
| Lebesgue [8] | größte Meta-Werbetreibende auf der Plattform, 22,6 Mio. US-Dollar Werbeausgaben (September bis November 2025) | Die mittlere Marke zahlte in der Black-Friday-Woche 59 % mehr pro 1.000 Einblendungen als im September, am Black Friday selbst 84 % mehr. 90 % der Marken zahlten mindestens 10 % mehr. Der Anstieg begann in der Woche ab dem 10. November. |
| Supermetrics [9] | mehr als 5.000 Händler, 675 Mio. US-Dollar Meta-Ausgaben (September bis Dezember 2025) | Modehändler gaben in der Black-Friday-Woche das 2,8-Fache des September-Werts aus. Diese Woche machte 13,4 % ihrer Ausgaben von September bis Dezember aus. Der Klickpreis stieg je nach Branche bis zur Black-Friday-Woche um 10 bis 31 %. |
| Conjura [10] | Händler aus mehreren Kategorien, 2018 bis 2020 (ältere Daten) | Die Kosten für einen Neukunden lagen in der Black-Friday-Woche 13 % höher als im Rest des Jahres (bezahlte Suche und bezahlte Netzwerke). |
Diese Daten stammen überwiegend aus den USA oder nennen kein Land, es sind keine reinen Werte für Deutschland oder Großbritannien. Die Richtung ist dennoch in allen drei Quellen gleich.
Gegenargument. Es gibt auch Gegenbefunde, und sie gehören dazu. Laut Lebesgue fielen die Kosten pro Kauf bei der mittleren Marke in der Black-Friday-Woche um 20 Prozent, weil Käufer deutlich häufiger kauften [8]. Der Analysedienst Tinuiti (USA, Werbeausgaben von über 4 Milliarden US-Dollar im Jahr) meldet für die sieben Tage vor Thanksgiving sogar einen Rückgang der Meta-Preise pro 1.000 Einblendungen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei 37 Prozent der untersuchten Werbetreibenden stiegen sie [11].
Wie ordnen wir das ein? Die Kosten pro Kauf sind von Meta selbst gemeldet, der Rabatt ist nicht eingerechnet, und sie sagen nichts darüber, ob der Kunde wiederkommt. Lebesgue selbst weist darauf hin, dass die Daten keine einzelne Ursache isolieren und die Entscheidung am Gewinn nach Marge ausgerichtet werden sollte [8]. Werbung kann an BFCM also effizient aussehen, weil mehr Menschen kaufen, aber zu welchem Preis sie kaufen, zeigt diese Zahl nicht.
4. Verschobene Nachfrage: Kunden warten auf Sales
Wenn Kunden wissen, dass im November Rabatte kommen, kaufen sie größere Dinge erst dann.
- In einer Befragung von 1.003 Personen in Deutschland (16 bis 65 Jahre, Appinio im Auftrag von Blackfriday.de, 2024) verschoben 87 Prozent größere Anschaffungen oft auf den Black Friday [3]. Auftraggeber war ein Aktionsportal, die Zahl ist also mit Vorsicht zu lesen.
- Laut einer Studie von Tink (2023, ohne genannte Stichprobe) wartet mehr als die Hälfte der deutschen Verbraucher gezielt auf den Black Friday [4].
- Für Großbritannien sagte Neil Bellamy von GfK im Oktober 2025, viele schöben größere Käufe inzwischen auf eines der Sales-Events auf [5].
Unsere Einordnung: Ein Teil des BFCM-Umsatzes wird nicht gewonnen, sondern verschoben. Er fehlt davor und danach. Wie groß dieser Anteil ist, lässt sich aus diesen Befragungen nicht ablesen.
5. Kundenbindung: Kommen BFCM-Kunden wieder?
5.1 Die wissenschaftliche Grundlage
Michael Lewis untersuchte 2006 im Journal of Marketing Research Daten aus einem Zeitungsvertrieb und einem Online-Lebensmittelhändler. Sein Ergebnis: Je tiefer der Rabatt bei der Kundengewinnung, desto geringer fallen Wiederkaufrate und Kundenwert aus [12]. (Wir konnten den Volltext nicht abrufen und geben die Richtung der Aussage nach der Zusammenfassung wieder, ohne die Zahlen daraus.)
5.2 Was Branchendaten zeigen
| Quelle | Datensatz | Befund |
|---|---|---|
| Ometria [13] | Kundenbasis des Anbieters aus Mode, Beauty, Lifestyle und Spezialhandel; Auswertung 19.11. bis 02.12.2025; Händlerzahl und Länder nicht genannt | 4 % der Black-Friday-Neukunden von 2024 kauften binnen 12 Monaten erneut. Sie kamen sechsmal seltener wieder als typische Neukunden. Nur 11 % der Black-Friday-Käufer 2024 kamen zum Black Friday 2025 zurück. Von den Wiederkäufern kauften 75 % erst am nächsten Black Friday wieder. |
| uptain [14] | Verhaltensdaten aus mehr als 3.000 Online-Shops (DACH); Zeitraum nicht eindeutig | 22,59 % der Black-Friday-Erstkäufer kauften binnen zwölf Monaten erneut, 77,41 % nie wieder. |
| Tresl [15] | 106 Shopify-Shops, BFCM 2024; Land nicht genannt | 13,95 % der BFCM-Neukunden bestellten binnen sechs Monaten erneut, bei sonstigen Neukunden 19,2 %. |
| Optimove [16] | Daten von BFCM 2021, keine Stichprobe genannt | Nach sechs Monaten hatten 33 % der Bestandskunden erneut gekauft, aber nur 16 % der Neukunden. |
| Conjura [10] | Händler aus mehreren Kategorien, 2018 bis 2020 | Der Kundenwert nach sechs Monaten lag bei BFCM-Kunden 9 % niedriger, die Wiederkaufrate 5 % niedriger. |
Die Werte unterscheiden sich stark, weil Definition, Zeitfenster und Shops verschieden sind. Aus den Zahlen darf man keinen einheitlichen Prozentsatz ablesen. Die Richtung ist aber gleich: BFCM-Neukunden kommen seltener wieder als andere Neukunden. Zur Zahl von uptain konnten wir die Seite des Anbieters selbst nicht abrufen und stützen uns auf einen Drittbericht.
5.3 Gegenargument
Anderson und Simester (2004, Marketing Science) führten drei Feldexperimente mit langlebigen Gütern aus einem Katalogversand durch. Tiefere Rabatte erhöhten die späteren Käufe von Erstkunden, senkten aber die von Bestandskunden [17]. Das ist ein Argument für Rabatte bei der Neukundengewinnung, mit einer wichtigen Einschränkung: Der größte Schaden entsteht bei Stammkunden, die man darauf trainiert, nur noch im Sale zu kaufen. Die Studie betrifft zudem den Katalogversand und nicht den Online-Handel.
5.4 Der Wert von Kundendaten
Häufig wird gesagt, BFCM lohne sich, weil man Kundendaten für spätere Kampagnen „einkaufe". Dieser Nutzen ist nur so viel wert, wie die Kunden später kaufen. Nach den obigen Daten ist das bei einem großen Teil der BFCM-Neukunden nicht der Fall. Das ist unsere Einschätzung auf Basis der Datenlage.
6. Versteckte Kosten: Retouren, Marke, Vertrauen
Retouren. Eine Befragung des EHI Retail Institute unter 124 Online-Händlern in der DACH-Region (Sommer 2025) ergab: Bei 53,3 Prozent kostet eine Retoure bis zu 10 Euro, bei weiteren 13,9 Prozent bis zu 20 Euro, 27 Prozent können die Kosten nicht beziffern [18]. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg schätzt für 2025 rund 550 Millionen Retouren in Deutschland (zitiert über Business Punk) [19]. Wie hoch die Retourenquote speziell nach BFCM ist, konnten wir nicht belegen. Eine britische Studie von Novuna aus dem Jahr 2022 meldet, dass ein Drittel der Käufer mindestens einen Black-Friday-Kauf bereut hat (Stichprobe im Bericht nicht genannt) [20].
Marke. Aggressive Rabatte können eine Marke abwerten. Das ist eine häufige Annahme, die wir nicht mit eindeutigen Studien belegen können, die Studienlage ist gemischt. Beispiele für Marken, die BFCM bewusst anders nutzen: Der US-Händler REI hält seit 2015 seine Läden am Black Friday geschlossen [21]. Die Kosmetikmarke Deciem schloss 2019 am Black Friday ihre Läden und nahm die Website vom Netz, bot im restlichen November aber 23 Prozent Rabatt an [22].
Vertrauen. Rabatte müssen glaubwürdig sein. Die Verbraucherorganisation Which? untersuchte im Black-Friday-Zeitraum 2023 insgesamt 227 Angebote von acht großen britischen Händlern. 92 Prozent der Angebote waren zu anderen Zeiten des Jahres gleich teuer oder günstiger [23]. In Deutschland zeigte eine Auswertung von Idealo (rund 10.000 Produkte, 2024, berichtet von Utopia): Bei 59 Prozent der Produkte gab es im November mindestens einen Tag mit einem niedrigeren Preis als am Black Friday, die durchschnittliche Ersparnis lag bei 7 Prozent. Belege für Preiserhöhungen vorab fand Idealo nicht, obwohl 69 Prozent der Befragten sie vermuteten [24]. Wer mit großen Rabatten wirbt, muss damit rechnen, dass Kunden nachrechnen.
7. Zwischenfazit: die These
Aus den Daten ergibt sich unsere These, die wir als Einschätzung formulieren: BFCM ist für Käufer ein Vorteil, nicht automatisch für den Shop. Die Marge sinkt, ein großer Teil der Kunden kommt nicht wieder, und gewonnen werden vor allem preisorientierte Erstkäufer mit hohen Ansprüchen und geringer Bindung. Das ist keine Kritik an diesen Kunden. Wer an einem Rabatttag einkauft, handelt rational. Für den Shop heißt es nur, dass der Umsatz des Tages kein guter Maßstab ist.
8. Ehrlichkeit bei Preisen: Was erlaubt ist und was klug ist
Unsere Haltung: Kunden sollen nicht getäuscht werden. Preise kurz vor BFCM anzuheben, um dann höhere Rabatte zu zeigen, ist unehrlich und rechtlich riskant.
8.1 Was das deutsche Recht verlangt
Nach § 11 der Preisangabenverordnung (PAngV) muss bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung der niedrigste Gesamtpreis der letzten 30 Tage angegeben werden [29]. Die Regel gilt seit dem 28. Mai 2022. Ausnahmen, etwa bei individuellen Rabattcodes, erläutert die IT-Recht-Kanzlei [30]. Der Europäische Gerichtshof hat 2024 (Rechtssache C-330/23, Aldi Süd) entschieden, dass sich die Preisermäßigung auf diesen niedrigsten Preis beziehen muss [33]. Der Bundesgerichtshof hat am 9. Oktober 2025 (I ZR 183/24) verlangt, dass die Angabe unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar ist [34]. Das Oberlandesgericht Köln beanstandete am 13. Februar 2026 (Az. 6 UKl 4/25, rechtskräftig) eine „Black Friday Special"-Werbung mit minus 20 Prozent, weil sich der Rabatt auf den durchgestrichenen Preis und nicht auf den 30-Tage-Bestpreis bezog [31]. Die Wettbewerbszentrale berichtet von einem Onlineshop, der nach der Black Week durchgestrichene Preise gegenüberstellte, ohne den 30-Tage-Tiefstpreis zu nennen, und nach der vorläufigen Einschätzung des Gerichts den Unterlassungsanspruch anerkannte. Ein Urteil gab es nicht [32].
8.2 Die Überlegung „Preise früher anheben"
Mancher überlegt, die Preise schon im September oder Oktober zu erhöhen, oben zu lassen und sich so die Marge vorab zu verdienen, die man an BFCM wieder abgibt. Das diskutieren wir sachlich, ohne es zu empfehlen:
- Rechtlich. Rein rechnerisch bezieht sich § 11 PAngV auf die letzten 30 Tage vor der Ermäßigung. Ob eine länger zurückliegende Erhöhung davor schützt, haben die Gerichte nach unserer Recherche nicht eigens entschieden. Unabhängig davon kann ein Streichpreis nach dem Wettbewerbsrecht irreführend sein, wenn er nicht ernsthaft verlangt wurde. Nach einem Bericht der IT-Recht-Kanzlei hat das Oberlandesgericht Köln am 2. Oktober 2026 (Az. 6 U 24/26) eine Matratzen-Werbung beanstandet, weil das Produkt unmittelbar davor billiger war als der Aktionspreis. Das ist eine einzelne Quelle, die wir vor einer Verwendung am Urteil prüfen würden [35]. Entscheidend ist, ob die Erhöhung eine echte, dauerhafte Preisänderung ist, zu der auch tatsächlich verkauft wird, und kein Lockvogel.
- Wirtschaftlich. Wer dauerhaft teurer ist, verliert elf Monate im Jahr im Preisvergleich. Das gilt besonders, wenn KI-Assistenten nach dem besten Preis suchen.
- Die ehrlichere und klügere Alternative: den Listenpreis stabil halten, die Marge über niedrigere Werbekosten schützen und den Preisvorteil gezielt über exklusive Publisher-Codes geben.
9. Affiliate Marketing: Wie Shops BFCM trotzdem gewinnbringend nutzen
9.1 BFCM als Türöffner zu neuen Publishern
Im Affiliate Marketing erhält ein Partner, ein sogenannter Publisher, eine Provision, wenn ein Kauf über seine Empfehlung zustande kommt. Publisher können zum Beispiel Newsletter, Deal-Seiten, Creator, Communities oder Cashback-Portale sein. Der eigentliche Gewinn an BFCM ist dann nicht der Umsatz des Tages, sondern der neue Partner: Mit einer starken, exklusiven Aktion werden Publisher auf den Shop aufmerksam. Sie bleiben danach und bringen das ganze Jahr Kunden, Verkäufe und Umsatz.
Die Bedeutung des Kanals zeigt sich in Zahlen aus den USA: Laut Adobe Analytics lag der Anteil von Affiliate- und Partnerkanälen am Cyber-Monday-Online-Umsatz 2025 bei 21,8 Prozent (2024: 20,3 Prozent). Die Kategorie schließt Social-Media-Influencer ein. Über die gesamte Feiertagssaison 2025 waren es 20,4 Prozent (2024: 17,6 Prozent) [26][27]. Das sind US-Werte.
9.2 Gutscheine als Kaufauslöser
Nach Branchendaten eines großen Affiliate-Netzwerks enthielten 36 Prozent der Einzelhandelsbestellungen am Black Friday 2023 einen Gutscheincode (33 Prozent im Vorjahr). Die Daten nennen kein Land [25]. Gutscheine spielen an BFCM also eine große Rolle. Für den Shop sind sie ein Vorteil: Sie machen ihn in Antworten von Suchmaschinen und KI-Assistenten sichtbar und geben dem Käufer einen Grund, bei ihm zu kaufen statt bei der Konkurrenz. Wie das mit KI zusammenhängt, steht in unserem Beitrag Wer empfiehlt dich, wenn KI antwortet?.
Cashback-Portale gehören an BFCM zu den bekannten Partnern: in Deutschland zum Beispiel PAYBACK und iGraal, in Großbritannien TopCashback und Quidco. Belegen können wir das für PAYBACK: Das Unternehmen nennt über 35 Millionen Kundinnen und Kunden, bis zu 40-fache Punkte und über 100 Online-Partner in seiner Black Week (16. bis 30. November 2026) [28]. Zu den anderen Portalen konnten wir keine geprüften Zahlen finden und nennen deshalb keine.
9.3 Die Bausteine
- Früh starten. Nach unserer Erfahrung planen größere Publisher und Creator ihre Aktionen im Herbst, und ihre Kalender füllen sich früh. Das ist ein Erfahrungswert aus der Zusammenarbeit mit Publishern, kein belegter Branchenwert. Wer früh mit einem starken Angebot kommt, ist im Kalender.
- Provisions-Bonus statt tieferer Rabatt für alle. Ein Bonus auf die Provision kostet nur bei einem echten Verkauf. Ein Rabatt im eigenen Shop kostet bei jedem Kauf, auch bei Stammkunden, die sowieso gekauft hätten.
- Exklusive, dauerhafte Codes. Die Aktion selbst darf zeitlich begrenzt sein, zum Beispiel ein Provisions-Bonus oder ein Sonderangebot. Der exklusive Code des Publishers bleibt danach dauerhaft aktiv. So hat der Publisher einen Grund, den Shop weiter zu bewerben, und KI-Systeme finden den Code das ganze Jahr.
- Stammkunden schützen. Die Aktion läuft über Publisher und deren Communities, nicht als Rabatt für alle im eigenen Shop. So werden Stammkunden nicht darauf trainiert, nur im Sale zu kaufen (siehe [17]).
- Bezahlung nur bei Verkauf. Statt teurer Werbung in der teuersten Woche des Jahres zahlt der Shop nur, wenn wirklich verkauft wurde.
Wie selecdoo dabei hilft. selecdoo bringt deinen Shop zu den Publishern, die BFCM-Aktionen suchen und danach weiter bewerben.
10. Rechenbeispiel: Rabatt für alle gegen Provisions-Bonus über Publisher
Das folgende Beispiel ist eine Modellrechnung mit unseren Annahmen. Es sind keine Marktdaten, und die Ergebnisse hängen stark von deinen Zahlen ab.
Annahmen: Warenkorb 70 Euro. Deckungsbeitrag vor Rabatt und Provision: 35 Prozent, also 24,50 Euro je Bestellung. Werbekosten sind in beiden Fällen nicht eingerechnet.
Szenario A: 20 Prozent Rabatt für alle im eigenen Shop. Es entstehen 1.000 Bestellungen. 40 Prozent davon (400) wären auch ohne Aktion gekommen, zum Beispiel von Stammkunden. 600 Bestellungen sind zusätzlich.
Szenario B: Provisions-Bonus über Publisher. Es entstehen 300 zusätzliche Bestellungen über neue Publisher. Im Shop gibt es keinen Rabatt für alle. Provision: 10 Prozent plus 5 Prozentpunkte Bonus, zusammen 15 Prozent. Der exklusive Code der Publisher enthält ein Angebot für Käufer. Das haben wir hier zur Vereinfachung nicht eingerechnet.
| A: 20 % Rabatt für alle | B: Provisions-Bonus über Publisher | |
|---|---|---|
| Bestellungen | 1.000 (davon 600 zusätzlich) | 300 (alle zusätzlich) |
| Kosten je Bestellung | 14,00 € Rabatt | 10,50 € Provision (15 % von 70 €) |
| Deckungsbeitrag je Bestellung | 10,50 € | 14,00 € |
| Deckungsbeitrag gesamt | 10.500 € | 4.200 € |
| Ohne Aktion hätte der Shop verdient | 9.800 € (400 × 24,50 €) | 0 € |
| Zusätzlicher Gewinn | 700 € | 4.200 € |
| Wann fallen die Kosten an? | bei jeder Bestellung, auch bei Stammkunden | nur bei einer zusätzlichen Bestellung |
Die Aussage der Rechnung: Ein Rabatt für alle bezahlt auch die Bestellungen mit, die ohnehin gekommen wären. Hier bleibt von 10.500 Euro Deckungsbeitrag nur 700 Euro Mehrgewinn. Der Provisions-Bonus fällt nur bei Bestellungen an, die ohne ihn nicht gekommen wären. Ob in deinem Shop 300 zusätzliche Publisher-Bestellungen realistisch sind, hängt von Angebot, Zeit und Partnern ab. Setze dort deine eigenen Zahlen ein.
11. Handlungsempfehlungen für D2C-Shops
- Rechne vor der Aktion. Bestimme Marge, Anteil der Stammkunden und Werbekosten, bevor du Rabatte festlegst. Messe den Erfolg am Gewinn und nicht am Umsatz des Tages.
- Schütze Stammkunden. Gib Rabatte gezielt statt für alle, und trainiere deine Stammkunden nicht auf den Sale.
- Setze Preise ehrlich an. Nutze den Referenzpreis nach § 11 PAngV korrekt und erhöhe Preise nicht künstlich vor der Aktion.
- Nutze BFCM, um Publisher zu gewinnen. Biete einen Provisions-Bonus oder ein exklusives Sonderangebot für Partner an.
- Vergib exklusive, dauerhafte Codes. Der Code bleibt nach BFCM aktiv und bringt das ganze Jahr Verkäufe.
- Beobachte Wiederkauf, nicht nur Umsatz. Verfolge, wie viele BFCM-Neukunden binnen sechs und zwölf Monaten wiederkommen.
- Plane früh. Zeitplan für das nächste Jahr: im September Angebot und Provisionsmodell festlegen, im Oktober Publisher ansprechen und briefen, im November Aktion starten, im Dezember auswerten und die guten Partner behalten.
- Wenn BFCM 2026 schon sehr nah ist: Black Friday ist am 27. November, Cyber Monday am 30. November. Konzentriere dich dann auf wenige Partner mit klarem Angebot und nutze die Aktion als Start einer dauerhaften Zusammenarbeit.
12. Fazit
BFCM ist für Käufer ein Vorteil, für viele D2C-Shops aber ein Geschäft, das sich nicht automatisch rechnet: Der Markt wächst kaum noch, Werbung wird in der Aktionswoche teurer, Käufer verschieben ihre Anschaffungen, und BFCM-Neukunden kommen nach den vorliegenden Daten seltener wieder. Es gibt Gegenargumente, etwa niedrigere Kosten pro Kauf und den Effekt bei Erstkunden, aber sie ändern die Richtung nicht.
Der Ausweg liegt nicht im höheren Rabatt für alle, sondern in der Partnergewinnung: Über Affiliate Marketing kann ein Shop BFCM nutzen, um neue Publisher zu gewinnen, die danach bleiben, mit Bezahlung nur bei Verkauf und mit exklusiven, dauerhaften Codes. Der Gewinn ist dann nicht der Black-Friday-Umsatz, sondern der Partner, der das ganze Jahr verkauft.
Quellenverzeichnis
- Handelsverband Deutschland (HDE), Pressemitteilung (17.11.2025): Black Friday und Cyber Monday: HDE rechnet zu Aktionstagen mit Umsatz von 5,8 Milliarden Euro
- Lebensmittelpraxis (20.10.2025), über Idealo/Kantar: Konsumverhalten: Deutsche planen geringere Ausgaben für Black Friday
- Lebensmittelpraxis (18.11.2024), über Appinio im Auftrag von Blackfriday.de: Black Friday am 29. November: 14 Prozent der Verbraucher wollen mehr als 500 Euro ausgeben
- Retail News (20.11.2023), über Tink: Auswirkungen von Lebenshaltungskosten und Retouren auf den Black Friday
- Gazette News, PA (2025), über GfK: Consumer confidence rises ahead of Black Friday sales
- Whymatters, über Adobe Digital Insights: Black Friday statistics
- Retail Gazette (03.11.2026), über eine Omnisend-Umfrage: Black-Friday-Prognose Großbritannien
- Lebesgue (2025): Auswertung Meta-Werbekosten zu Black Friday 2025
- Supermetrics: Black Friday Retail Playbook
- Home of Direct Commerce (23.11.2021), über Conjura: Customer acquisition costs for Black Friday week highest in the year with LTV falling
- Tinuiti (05.12.2025): Black Friday / Cyber Monday recap
- Lewis, M. (2006): Customer Acquisition Promotions and Customer Asset Value. Journal of Marketing Research 43(2), 195–203: doi.org/10.1509/jmkr.43.2.195
- Ometria (2025): Black Friday 2025 data
- uptain (2025): E-Report Black Friday 2025 (Seite von uns nicht abrufbar, Zahlen laut Drittbericht)
- Tresl: BFCM 2025
- Optimove (11.10.2022): Why you should invest more in your existing clients on Black Friday and Cyber Monday
- Anderson, E. T., Simester, D. I. (2004): The Long-Run Effects of Promotion Depth on New Versus Established Customers. Marketing Science 23(1), 4–20: DOI 10.1287/mksc.1030.0040, Zusammenfassung: RePEc
- EHI Retail Institute, Pressemitteilung (27.11.2025): Zwischen Retouren und Rentabilität
- Business Punk (28.11.2025): Die dunkle Seite von Black Friday & Co: 550 Millionen Retouren in 2025
- InternetRetailing (21.12.2022), über eine Studie von Novuna Consumer Finance: Bericht zu Reue nach Black-Friday-Käufen
- Bigblue: The pros and cons of Black Friday and Cyber Monday
- Bustle (2019): Beauty company Deciem is boycotting Black Friday for this important reason
- Which? (26.11.2024): Nine in 10 Black Friday deals cheaper or same price at other times of the year
- Utopia, über Idealo: Black Friday: Echte Schnäppchen von Scheinrabatten unterscheiden
- Branchendaten eines großen Affiliate-Netzwerks (30.11.2023): Ten trends from Black Friday and Cyber Weekend 2023
- Adobe (02.12.2025), USA: Cyber Monday hits record
- Adobe (07.01.2026), USA: Holiday shopping season
- PAYBACK GmbH, Pressemitteilung (02.11.2026): Presseportal
- Preisangabenverordnung (PAngV), § 11: gesetze-im-internet.de
- IT-Recht-Kanzlei: Streichpreise: Was gilt es hier zu beachten?
- Verbraucherzentrale NRW: Meldung zum Urteil des OLG Köln zu „Black Friday Special"
- Wettbewerbszentrale (25.11.2025): Referenzpreis-Pflicht gilt auch nach der Black Week
- Legal Tribune Online (2024): Bericht zum EuGH-Urteil C-330/23 (Aldi Süd) zur Rabattaktion
- Haufe: BGH: Rabattwerbung muss 30-Tage-Bestpreis nennen
- IT-Recht-Kanzlei (23.10.2026): Irreführende Rabattwerbung mit Streichpreis
Hinweis: Die Quellen wurden am 03.11.2026 abgerufen, soweit nicht anders vermerkt. US-Werte sind als solche gekennzeichnet. Die rechtlichen Hinweise sind keine Rechtsberatung.